{"id":1402,"date":"2026-06-23T13:43:56","date_gmt":"2026-06-23T11:43:56","guid":{"rendered":"https:\/\/cis-moll.me\/?p=1402"},"modified":"2026-06-23T14:33:52","modified_gmt":"2026-06-23T12:33:52","slug":"die-magie-blauer-krokusse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/cis-moll.me\/?p=1402","title":{"rendered":"Die Magie blauer Krokusse"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-primary-color\">Ist es nur ein Gef\u00fchl oder werden M\u00e4nner mittleren Alters \u00fcberdurchschnittlich oft mit teurem Fotoequipment gesehen? Oder wird teures Fotoequipment \u00fcberdurchschnittlich oft mit mittelalten bis \u00e4lteren M\u00e4nnern gesehen? Wie es auch ist, was hat es auf sich, mit dem Mann und den Dingen?<\/mark><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Beobachtung, dass die kostspieligen Objektive einer Kamera phallische \u00c4hnlichkeit aufweisen ist nicht bahnbrechend. Sie ist geradezu langweilig. Nichtsdestotrotz erw\u00e4hnenswert. Dazu die auf anekdotischer Evidenz beruhende Erkenntnis, dass M\u00e4nner auf Technik stehen. Die neueste WLAN-Access-Station, Smartphone-Halterung an der Windschutzscheibe, Wetterstationen vor dem Fenster, die neueste Smartwatch am k\u00e4sigen Handgelenk (gerne das Modell f\u00fcr den Extremsportler, man wei\u00df ja nie, wann man spontan zum 8000er aufbricht) und last and least, das Multifunktions-Tool in der praktischen Tasche am G\u00fcrtel. Jederzeit bereit, wenn the Shit hit the Fan \u2013 zu versagen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Diese schei\u00df Gef\u00fchle.<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gibt es wirklich keine Alternative zu Linux oder Ubuntu oder Rindfleisch oder what the fuck? Zum Gl\u00fcck gibt es da diesen einen Bekannten, nennen wir ihn J\u00f6rg, der bei jeder sich bietenden unpassenden Situation bereit ist, diese Frage in voller Ausf\u00fchrlichkeit zu beantworten. Gerade wenn man sich die Frage nie gestellt hat oder schlimmer, bereits eine zufriedenstellende Antwort gefunden hat. Hat J\u00f6rg Freunde, mit denen er sich \u00fcber das nagende Gef\u00fchl im Sein unterhalten kann? Wei\u00df er, dass sich hinter dem Gef\u00fchl wom\u00f6glich die Angst vor Wert- oder Bedeutungslosigkeit versteckt? Wer wei\u00df?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Komisch, Frauen erz\u00e4hlt J\u00f6rg nie von Ubuntu, da konzentriert er sich darauf zu erkl\u00e4ren was die jeweilige Gespr\u00e4chspartnerin, in einer beliebigen Situation falsch macht, falsch verstanden oder einfach nicht wissen kann. Aber daf\u00fcr ist er ja da, der J\u00f6rg. Hilfsbereit sein. N\u00fctzlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">N\u00fctzlich sein ist so wichtig, auch wenn es f\u00fcr manche bedeutet, dass sie einem unschuldigen Verwandten erkl\u00e4ren m\u00fcssen, was die Vorteile von Linux sind.<br>Oder welcher DSL-Vertrag am g\u00fcnstigsten ist.<br>Oder warum W\u00e4rmepumpen nicht funktionieren.<br>Oder der Klimawandel nicht existiert.<br>A slippery slope it is.<br>Der Weg von der Wissensinsel zum faktenaversen Realit\u00e4tsbaukasten ist kurz.<br>Das wohlige Gef\u00fchl mit dem Android-Betriebssystem die richtige Wahl getroffen zu haben. Oh du s\u00fc\u00dfer Nektar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht ist es eine Mutma\u00dfung, aber mir dr\u00e4ngt sich die \u00dcberzeugung auf, dass der Teil der Bev\u00f6lkerung, dem st\u00e4ndig erz\u00e4hlt wird, alles unter Kontrolle haben zu m\u00fcssen oder den Helden zu spielen hier etwas \u00fcberkompensiert. Dabei aber bei jeder sich nicht bietenden Situation emotional vollkommen \u00fcberfordert ist. Ich nenne es kognitiver Pimmel Druck (KPD). Oder ist cognitive dick urgency (CDU) besser?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kontrolle. Expertise. Das Gef\u00fchl der \u00dcberlegenheit.<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Detailfetisch zu Wahn zu Detailfetisch zu Wahn zu zu zu gut, um der \u00dcberforderung zu entfliehen. Etwas nicht zu verstehen ist eine Bedrohung. Also darf es nicht sein. Kann es nicht sein. Durchblick und Fachwissen ergo Kontrolle, ergo Dominanz, ergo Mann. Gegen jeden Widerstand, vor allem im Hirn. Wuff Wuff. Gerade der Fachidiot neigt zum selbsterkl\u00e4rten Universalgenie. Auch wenn das Fach nur die Gr\u00f6\u00dfe einer Streichholzschachtel hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist einfacher eine krude Theorie zu verteidigen. Und noch einfacher ist es den Bumms-Glasfaser-Tarif mit seinen Details gegen den von was wei\u00df ich abzuchecken. Zur\u00fcck zur Technik, bitte, zur\u00fcck zur Technik, dieser fantastischen Berechenbarkeit. All I need is a Betriebsanleitung. (Die ich dann aber nicht lese, weil, ha!, sowas brauch ICH doch nicht.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Zustand ist kein Ort der Ruhe. Er zehrt den Mann aus. L\u00e4sst ihn d\u00fcnn werden, angekratzt, verwundet. Wieder etwas das nicht sein darf. Eine einzige Abnutzung der von Beginn an sp\u00e4rlichen Substanz. Ist das ein Grund f\u00fcr Mitleid? Nicht unbedingt (siehe: <a href=\"https:\/\/cis-moll.me\/?p=1254\" data-type=\"post\" data-id=\"1254\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Trauma und Selbstgerechtigkeit<\/a>). Aber es ist wichtig zu verstehen, was sich im MannMannKopf vielleicht abspielt: das Dilemma, der Abnutzungskampf, das verzweifelte herumstochern, ohne ein einziges erprobtes Werkzeug zur Verf\u00fcgung zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-secondary-color\">Der Mann als sprachloser Vollpfosten, verloren im inneren Diskurs der eigenen Bedeutung, Bed\u00fcrfnisse und Wirkung.<\/mark><\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hybris in jedem Hoden.<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der ganze Organismus wird zu einer einzigen Kompensationsmaschine. Wo sollen sie hin, die Gef\u00fchle f\u00fcr die es keine Worte gibt. Oder was ist mit den Worten, die den Gef\u00fchlen Ausdruck verleihen, aber nicht hineinpassen, in das mit so wenig Finesse gezeichnete Selbstbild. Wie ein Wurm am Haken windet sich der Mann, wei\u00df nicht was das alles soll, wei\u00df nur, dass er nicht nicht wissen darf. Der Welpe ist so s\u00fc\u00df und das eigene Versagen so traurig. Das alles muss wohin. Das alles braucht einen sicheren Rahmen, einen Rahmen, der es erlaubt die harte Schale abzulegen, um den gef\u00fchlsduseligen Glibber darunter etwas Luft zu g\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Objektiv wird zum besseren Penis. Es funktioniert, stolz in Form, Technik. Ein Werkzeug der Perfektion, das jederzeit scharf stellen kann. Seine Potenz darf klare Grenzen setzen, Lichtst\u00e4rke, Brennweite. Eine beneidenswerte Position die selbstbewusst spricht, wenn Du dich au\u00dferhalb aufh\u00e4ltst ist es deine Schuld, wenn ich nicht kann, innerhalb &#8230; wow, was f\u00fcr ein m\u00e4chtiges Werkzeug.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Oh Sch\u00f6nheit, komm zu Hilfe<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und so kommt es, dass sie niederknien, die Kamera als Flak-Ersatz im Anschlag, das Objektiv prall in die Welt hineingereckt, auf der Jagd nach dem perfekten und drei Millionsten Bild der Rohrdommel. Oder das ebenfalls tausendfach nie gesehene Motiv, des mit Rosen drapierten Busens der professionellen T\u00e4nzerin, die ihr prek\u00e4res Einkommen als Aktmodell aufstocken muss, weshalb sie auf die hastig im Copy-Shop vervielf\u00e4ltigte Anzeige reagiert, die mit schwarzem Isolierband an der Fu\u00dfg\u00e4ngerampel vor ihrem Fitnessstudio f\u00fcr Frauen klebt. Da liegt die Kunst nicht im Akt, sondern in der F\u00e4higkeit selbst im Verzweifeln noch von den eigenen Privilegien und systemischen Ungerechtigkeiten Gebrauch machen zu k\u00f6nnen und in der patriarchalen Arena auszuteilen. Zum Gl\u00fcck erzeugt die Egozentrik einen wohltuenden blinden Fleck, der die Auswirkungen, Konsequenzen und Sch\u00e4den seines Handelns verdeckt. Damit die sauteure Pimmellinse frei von Verantwortung weiterwandern kann, getrieben von der Sehnsucht nach dem einen sch\u00f6nen Bild, das vorher noch niemand (au\u00dfer jeder andere) gemacht hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und da ist es,<br>die knackscharfe Nahaufnahme,<br>die Blume am Wegesrand im Park um die Ecke.<br>Der Krokuss,<br>oh der Krokuss, siehst du ihn nicht?<br>Wie er da steht.<br>Gef\u00e4\u00df der Poesie,<br>du Sinnbild der Z\u00e4rtlichkeit,<br>sei du f\u00fcr mich Mensch,<br>Gef\u00fchl und Tr\u00e4ne der R\u00fchrung.<br>Oh Sch\u00f6nheit,<br>erl\u00f6se uns von der Last der t\u00e4glichen Ambiguit\u00e4t. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Blaue_Blume\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Du blaue Blume der Romantik.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch da lauert sie schon wieder, die Ambivalenz. Wenn die Suche nach dem Sch\u00f6nen, der Romantik wieder nur festh\u00e4ngt, im Stereotyp, im Abbild vom Abbild vom Abbild. Reproduziert und hohl. Selbst hier schleicht sich die Leere ein, die fehlende Auseinandersetzung mit der Verg\u00e4nglichkeit, vor allem der eigenen, dem eigenen Dahinwelken. Das nicht einmal mit der neuesten Technik aufgehalten werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2192 <a href=\"https:\/\/ubuntu.com\/download\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Hier gehts zum Ubuntu-Download<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ist es nur ein Gef\u00fchl oder werden M\u00e4nner mittleren Alters \u00fcberdurchschnittlich oft mit teurem Fotoequipment gesehen? Oder wird teures Fotoequipment \u00fcberdurchschnittlich oft mit mittelalten bis \u00e4lteren M\u00e4nnern gesehen? Wie es auch ist, was hat es auf sich, mit dem Mann und den Dingen? 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