{"id":1254,"date":"2026-06-15T16:03:22","date_gmt":"2026-06-15T14:03:22","guid":{"rendered":"https:\/\/cis-moll.me\/?p=1254"},"modified":"2026-06-15T16:04:31","modified_gmt":"2026-06-15T14:04:31","slug":"trauma-und-selbstgerechtigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/cis-moll.me\/?p=1254","title":{"rendered":"Trauma und Selbstgerechtigkeit \u2026"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-primary-color has-text-color has-link-color wp-elements-68db3905ed3bd5bcf0c63829a8dbaf09 wp-block-paragraph\"><em>\u2026 war der urspr\u00fcngliche Titel von Dostojewskis Schuld und S\u00fchne. Was nat\u00fcrlich Quatsch ist. Der eigentliche Titel ist Verbrechen und Strafen. Trauma und Selbstgerechtigkeit entstammt einem unver\u00f6ffentlichten und leider nie geschriebenen Shakespeare-Manuskript. Das Manuskript h\u00e4tte sich auf eine elaborierte Art mit der m\u00e4nnlichen Ambivalenz auseinandergesetzt, die sich, unf\u00e4hig der klaren Selbstbetrachtung, der Verantwortung eigener Taten zu entziehen sucht, indem sie sich zum Opfer stilisiert. Was zu einem Konflikt f\u00fchrt zwischen der Selbsterz\u00e4hlung der \u00dcberlegenheit und der implizierten Schw\u00e4che des eigenen Narrativs. Oder anders: Bubu hat Aua und haut deshalb zu.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich kann nicht behaupten, dass es mir nicht schon immer ein R\u00e4tsel ist, wie M\u00e4nnlichkeit, als Idee, als Konzept, die offensichtlichen Widerspr\u00fcche aushalten kann, die sich im Inneren auftun. Da gibt es Strategien, Workarounds, die dem Mann helfen, den Widerspr\u00fcchen aus dem Weg zu gehen, sollten sie denn auftauchen. Als Junge gibt es da keine R\u00e4tsel, meistens. Da gibt es nicht einmal ein Licht am Ende des Tunnels. Als Junge bekommt man M\u00e4nnlichkeit erkl\u00e4rt, ohne dass Worte gewechselt werden m\u00fcssen. Sie wird sogar mit der Muttermilch getrunken. Auch wenn das doppelt traurig ist. Sie umgibt einen wie ein Resonanzfeld. Es ist eine Schwingung, eine Frequenz, die in Symbolen, Geschichten, Objekten und und und verschleiert r\u00e4soniert. Es spielt auch kaum eine Rolle, wie genau die Erziehung abl\u00e4uft. Was die Ideale sind, die Eltern vermitteln m\u00f6chten oder es aus Versehen tun. Mann ist eingebettet. Es gibt kein Au\u00dfen. Es gibt bestenfalls eine Perspektive auf etwas, das m\u00f6glich ist. Es kommt darauf an, wie tief man drin sitzt, oder ob man eh schon am Rand platziert ist, weil man vielleicht z\u00f6gert, bevor man zuhaut, weil man nicht so mutig ist, weil man Angst hat oder weil man sich nicht so einfach davon losmachen kann, wenn man sieht, wie Mama sich tot schuftet, w\u00e4hrend Papa wartet, dass der Kaffee durchgelaufen ist, den er sich nat\u00fcrlich nicht selbst einschenkt. Aber die Zeiten sind ja zum Gl\u00fcck vorbei \u2026 oder? Egal ob die Zeiten nun vorbei sind, die Zeit, in der man sich dem R\u00e4tsel entziehen kann, sollte f\u00fcr jeden Mann ab einem gewissen Alter vorbei sein.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Es knirscht, knirscht, knirscht<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber wie geht man mit den Widerspr\u00fcchen um, wenn man gr\u00f6\u00dfer ist und grunds\u00e4tzlich in der Lage sein sollte, \u00fcber den eigenen Oberlippenbart hinwegzusehen? Ein Ausflug in den Scherenschnitt: Das Perfide am Mannsein ist, dass es Empathie aus mehreren Richtungen unterminiert. Wir leben alle in Sorge, unabh\u00e4ngig der Geschlechtszuordnung. W\u00e4hrend \u201eM\u00e4dchen\u201c nicht sonderlich subtil auf VerSorge getrimmt werden, sind \u201eJungen\u201c BeSorger. Die Frau k\u00fcmmert sich, der Mann schafft die Kohle ran. Soweit der Scherenschnitt. Nat\u00fcrlich kann man einwerfen, hey, vielleicht war das in den 50gern so, aber heute, nee. Dann viel Spa\u00df beim Durchst\u00f6bern der Regale in durchschnittlichen Spielzeugabteilungen. Dazu kommt, dass weiterhin bei M\u00e4dchen die soziale und emotionale Kompetenz betont, fast fetischisiert wird, w\u00e4hrend Jungen noch immer systematisch eine normale, diverse emotionale Entwicklung vorenthalten wird. M\u00e4nnliche Erziehung der letzten (ist es eine zwei-, drei- oder eine vierstellige Zahl?) Jahre hinterl\u00e4sst keine ganzen Menschen. Ein MannMann ist h\u00f6chstens ein halber Mensch. Ein emotionaler <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kaspar_Hauser\">Kasper Hauser<\/a>. Bei M\u00e4dchen ist das sicher \u00e4hnlich. Du sollst nicht dies, du sollst nicht das, f\u00fcr ein M\u00e4dchen geh\u00f6rt sich das nicht. Und Lasse-Kevin-Andreas, Finger weg von den Puppen! Sonst wirst du schwul. Oder schlimmer, ein M\u00e4dchen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir k\u00f6nnen uns gerne hinstellen und einfach behaupten, dass wir heute Kinder nicht mehr so erziehen und deshalb ist das auch kein so wichtiges Thema mehr. K\u00f6nnen wir. Ist halt dumm. Weil keines der Kinder in den n\u00e4chsten 30 Jahren relevante gesellschaftliche Entscheidungen treffen wird. Daf\u00fcr sorgen wir alten Drecks\u00e4cke schon. Sieht man ja gerade, wie die Welt von <a href=\"https:\/\/cis-moll.me\/?p=1127\" data-type=\"post\" data-id=\"1127\">verhaltensauff\u00e4lligen Arschgeigen im besten Alter<\/a> abgefackelt wird. Und wenn wir so weiter machen, dann sind die Entscheidungen, die diese Generationen treffen m\u00fcssen, eher in der Richtung, wer wann und wie lange an den Wasserhahn mit sauberem Wasser ran darf. Selbst wenn es heute Fortschritte in der Erziehung gibt, m\u00fcssen wir uns als Gesellschaft noch mindestens mit vier Generationen M\u00e4nner rumschlagen, von denen der ein oder andere mal der \u00dcberzeugung war und vielleicht sogar noch ist, dass es so etwas wie Vergewaltigung in der Ehe nicht gibt. Und diese M\u00e4nner besetzen Entscheidungspositionen hartn\u00e4ckiger, als sich jeder Klimaaktivist sonst wo festkleben kann. Wie kommen wir da raus?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Jeder MannMann wei\u00df, was ein MannMann ist.<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>(Der Verzicht auf ein Herbert-Gr\u00f6nemeyer-Zitat geschieht hier mit voller Absicht.)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt ein diffuses Bild, ein Konzept von M\u00e4nnlichkeit. Man kann es nicht einmal in Worte fassen oder definieren. Es \u00e4ndert sich je nach Schicht, Klasse, Region und kulturellem Background. Die einen zupfen sich die Augenbrauen, die anderen lassen sich sogar die Arschhaare bis zum Boden wachsen. M\u00f6chte man es anfassen, glibscht es durch die Finger wie ein formloser Blob. Von au\u00dfen kommt man nicht weiter. Aber was ist, wenn man nach innen sieht? Da muss etwas sein, etwas das anschlussf\u00e4hig ist, das die Diskrepanz zwischen Erlebtem und Empfundenem moderiert. Etwas, das die ganzen Bildst\u00f6rungen, die gesellschaftlichen Reibungen, die Ungereimtheiten und Probleme weghobelt, abschmirgelt, glatt b\u00fcgelt. Es ist eine Idee der Dominanz. Ein Gef\u00fchl der Berechtigung. Es ist ein verf\u00fchrerisches Bonbon, das sich da versteckt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn beim Ert\u00f6nen der Glocke bei <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pawlowscher_Hund\">Pawlows Hund<\/a> der Sabber flie\u00dft, sammelt sich im Glied des Alpha-M\u00e4nnchens das Blut beim Bimmeln des Dominanz-Buzzers. Wom\u00f6glich damit das Blut im Hirn blo\u00df keinen Schaden am Trugbild anrichtet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man kann sich auch hinstellen und sagen, der Verweis auf das Patriarchat als Grundproblem ist zu einfach. Aber das ist lediglich ein netter Versuch, einen Sachverhalt durch den Verweis auf eine vermeintliche Einfachheit zu diskreditieren, weil man a) der Komplexit\u00e4t der Auswirkungen des Patriarchats auf s\u00e4mtliche Strukturen nicht gewachsen ist oder b) sich nicht damit auseinandersetzen m\u00f6chte, da man selbst, auch wenn man es nicht wahrhaben m\u00f6chte, Teil eines Problems sein kann, gerade weil es strukturell ist und damit in alles hineinmetastasiert. Doch diese Erkenntnis setzt eine gewisse Ambiguit\u00e4tstoleranz voraus, die es zul\u00e4sst, bei sich ein Defizit zu erkennen und dabei nicht in eine T\u00e4ter-Opfer-Dynamik zu verfallen, sondern weiterhin Akteur zu sein, aufgekl\u00e4rt, selbstkritisch, progressiv. Daf\u00fcr braucht es allerdings eine emotionale Reife als Basis, die es dem Individuum m\u00f6glich macht, den inneren Tumult auszuhalten und trotzdem zu etwas Positivem zu verarbeiten. Dumm nur, dass es gerade daran fehlt. Siehe: Erziehung. Siehe: Halber Mensch. Und das ist ein gro\u00dfes Problem. M\u00e4nner m\u00fcssen einen Weg aus der M\u00e4nnlichkeit, wie sie ihnen beigebracht wurde, herausfinden, ohne dass ihnen die Mittel mitgegeben wurden. Trotzdem m\u00fcssen sie das selbst schaffen. Der Feminismus kann ihnen das nicht abnehmen. Mama wird ihnen das nicht abnehmen und auch kein Alpha-Tier, dem sie nachdackeln k\u00f6nnen. Genauso wenig, wie man einer Person eine Therapie abnehmen kann. Wenn du da raus willst, dann musst du da raus. Das hei\u00dft nicht, dass man sich keine Hilfe holen kann. Aber die Hilfe kann nur Hilfe zur Selbsthilfe sein. Und so k\u00f6nnten wir in einer Welt leben, in der M\u00e4nner das Patriarchat einrei\u00dfen wollen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn wir uns allerdings der Komplexit\u00e4t des Problems aus Selbstschutz, \u00dcberforderung oder Faulheit entziehen und sich nicht jeder einer kritischen Selbstbetrachtung unterzieht, werden wir immer weiter patriarchale Strukturen, Erz\u00e4hlungen und Strategien reproduzieren. Bewusst oder unbewusst, aber wirkm\u00e4chtig. Das kann niemand wollen, der seine Murmeln halbwegs beisammen hat.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wir m\u00fcssen mehr wollen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die feministische Bewegung sammelt sich hinter der Forderung, mehr zu wollen. Die zugewiesene Schublade wird als Beschr\u00e4nkung erkannt. Das bezieht sich nicht nur auf Strukturen der Unterdr\u00fcckung, sondern auch auf das Vorenthalten von Gef\u00fchlen, Bed\u00fcrfnissen und Leidenschaften. Diese bilden sich um das Gegenst\u00fcck der Vorenthaltung, die M\u00e4nner in ihrer pr\u00e4genden Kindheit erfahren. Dieser Doppelzonk treibt die feministische Bewegung voran. M\u00e4nner profitieren vom patriarchalen Ablasshandel, der den Monozonk ertr\u00e4glich machen soll. Ja, halber Mensch, aber dominant. Auch wenn du auf Schicht die letzte Pfeife bist, kannst du ja immer noch deine Frau und vielleicht sogar noch die Kinder rumkommandieren. Und wenn dir dabei die Hand ausrutscht, weil du vollkommen unf\u00e4hig bist, ambivalente Gef\u00fchle zu navigieren, dann gucken wir weg oder suchen Ausreden f\u00fcr dich. Das Private als Eigenreich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Tragische daran: Die Leerstelle im Inneren ist einfach immer zu gro\u00df, egal was Mann reinschmei\u00dft. Es nagt, es knirscht, es fehlt und es zersetzt. Es braucht noch eine Erz\u00e4hlung, etwas, das den Verlust, den Schmerz und den Frust umdeutet, damit der ganze Dreck irgendwie l\u00e4uft.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Sinn-Surrogat Aufopferung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Erz\u00e4hlung ist die des Opfers. Und dabei geht es nicht um die wirklichen Opfer. Es geht um das empfundene Opfer, das abstrakte Opfer. Das Opfer, in das sich T\u00e4ter kleiden, um ihre Taten als Natur, als berechtigt umzudeuten. Diese Opferrolle wird nochmal verst\u00e4rkt durch den Zusatz der Pflicht. Der Begriff der Pflicht entbindet den T\u00e4ter von der Eigenverantwortung bez\u00fcglich seiner Taten. Es ist die Banalit\u00e4t des B\u00f6sen, die uns da anstarrt. Eine Denkweise, die in Filmen gern so dargestellt wird: Ein bewaffneter Mann bedroht eine unschuldige Person, gern ein Kind oder eine Frau, und droht dem Helden gegen\u00fcber. Du hast die Wahl, ob ich schie\u00dfe. Du zwingst mich zu handeln. Wenn ich schie\u00dfe, ist es deine Schuld. Hier agiert der Antagonist nach dem Schein-Opfer-Schema. Wenn sich Mel Gibson in Payback an der eigenen Gewalt berauscht, dann weil er ja um sein Kind k\u00e4mpft. Als Kollateralschaden muss man da schon Verst\u00e4ndnis haben. Diese m\u00e4nnlichen Narrative sind die Formen, in die sich die Manosph\u00e4re ergie\u00dft, wie ein pubertierender J\u00fcngling beim ersten feuchten Traum in die Bettdecke.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eines dieser Alpha-Sandkuchenf\u00f6rmchen ist James Bond, eine typische maskuline Kulturikone, die M\u00e4nnlichkeit in der Popkultur verhandelt und wie ein schlechtes Blatt am Tisch verteilt hat (Casino Royal Referenz my Ass): Selbstgerecht mit der Lizenz zum T\u00f6ten und konsequenzlosem Rumbumsen. Aber naja, die letzte Irritation, sorry, Iteration, war ja ganz anders. Gebrochen, vielschichtig, vom Leben gezeichnet. Aber von welchem Leben? Des Lonely Wolves? Der \u201eschwierige\u201c Entscheidungen treffen musste \u2026 or what? Und wie stirbt dieses Kulturgut im (vorerst) letzten Teil der Franchise? Er stirbt den Opfertod. Um uns alle zu retten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die m\u00e4nnlichen Narrative triefen nur so vom einsamen Helden, der sich f\u00fcr die Gesellschaft opfert. Sein Leben gibt. Frauen und Kinder zuerst. Aber wer hat das Schiff eigentlich gegen den Eisberg gesteuert? Eigentlich ist John Wick, als moderne Variante der James-Bond-Nummer, erfrischend ehrlich. Von Beginn an ist klar, der Grund f\u00fcr das ganze Geballer steht in keinem Verh\u00e4ltnis. Nie. Und jeder Schuss basiert auf dem davor, auf dem davor und davor, und warum schie\u00dfen wir eigentlich? Die Gewalt wird zur ewig weiterlaufenden Berechtigungsmaschine. Aber er ist ein Mann und er hat seine Ehre \u2013 oder einen toten Hund \u2013 und er kann nur in eine Richtung, sich opfern, f\u00fcr das Gro\u00dfe. Was auch immer das ist. Und das alles, um die Leerstelle zu f\u00fcllen, die der halbe Mensch in sich f\u00fchlt und keine Worte daf\u00fcr findet.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Sneaky Shit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier kommt die Perfidie der Konstellation ans Licht. Das Opfernarrativ formt das Trauma zur Selbstgerechtigkeit um und verstellt den Blick auf das tiefliegende unerf\u00fcllte Defizit. Der Gedanke des verwundeten Mannes wird vom MannMann missbraucht. Allerdings sieht er in der Gleichberechtigung die T\u00e4terin, die ihm die M\u00e4nnlichkeit nimmt. Zumindest ist das die Losung, auf die die ganzen M\u00f6chtegern-Alphas eingeschworen werden, damit sie blo\u00df nicht merken, wie sie verarscht werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Statt zu sagen, mir reicht das Halbe nicht, wie es die feministische Bewegung tut, kippt der Horst ins Selbstmitleid des armen, ausgebeuteten und missverstandenen Mannes, der, um seine M\u00e4nnlichkeit zu bewahren, das Recht auf Gegenwehr hat. Sein Schaden muss auf die Anderen \u00fcbertragen werden. Was f\u00fcr eine kolossale Schei\u00dfe. Und wir alle stecken drin. Was wir gerade auf einer kulturellen Ebene erleben, wird oft als Backlash bezeichnet, vielleicht ist es auch die Agonie der M\u00e4nnlichkeit. Was es auch immer ist, es ist angetrieben von Selbstgerechtigkeit, die sich von einem Trauma n\u00e4hrt, das durch das Patriarchat erst entstanden ist und gleichzeitig gegen den Menschen selbst gerichtet instrumentalisiert wird. Das darf eben nicht als Entschuldigung gelten. Gerade weil der Mann durch das Patriarchat verwundet ist UND im Patriarchat privilegiert ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Umso tragischer, dass MannMann durch seine patriarchale Pr\u00e4gung der Verantwortung, die mit Privilegien einhergeht, kaum gewachsen ist. Alles bezieht sich auf ihn, sein Recht, seinen Status, seine Impulse. Seine Mittel sind beschr\u00e4nkt und unzuverl\u00e4ssig, da sie im st\u00e4ndigen Widerspruch zur Umwelt stehen, was der Kr\u00e4nkung, dem Frust und dem ideologischen Wahn den Boden bereitet. Das Ergebnis ist die Zerst\u00f6rung von Ressourcen, Gewalt und Unterdr\u00fcckung. Die Sch\u00e4den, die daraus resultieren, k\u00f6nnen wir uns nicht mehr leisten. M\u00e4nnern muss klar sein, dass es keinen Verlust der M\u00e4nnlichkeit gibt. Es gibt nur einen Zugewinn an Menschlichkeit. Es liegt an jedem Mann selbst, unabh\u00e4ngig seiner pers\u00f6nlichen Geschichte, was er sein m\u00f6chte. Ein Mann oder ein Mensch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2026 war der urspr\u00fcngliche Titel von Dostojewskis Schuld und S\u00fchne. Was nat\u00fcrlich Quatsch ist. Der eigentliche Titel ist Verbrechen und Strafen. Trauma und Selbstgerechtigkeit entstammt einem unver\u00f6ffentlichten und leider nie geschriebenen Shakespeare-Manuskript. 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