{"id":1127,"date":"2026-04-11T13:37:15","date_gmt":"2026-04-11T11:37:15","guid":{"rendered":"https:\/\/cis-moll.me\/?p=1127"},"modified":"2026-04-13T23:38:38","modified_gmt":"2026-04-13T21:38:38","slug":"the-lovechild-of-boshaftigkeit-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/cis-moll.me\/?p=1127","title":{"rendered":"The Lovechild of Boshaftigkeit \u2013 Teil 1"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Radikaler Opportunismus<\/h1>\n\n\n\n<p class=\"has-tertiary-color has-text-color has-link-color wp-elements-8baae4b965b08fdc6af02f4b30729658\"><em>Auch wenn die Antwort recht naheliegend ist, stellt sich doch oft die Frage, warum Neo-Liberalismus und Faschismus so \u00fcberraschend gut zusammen geht. Dabei tragen sie einen gemeinsamen Kern mit sich herum. Beim Faschismus ist es ein Nebenkern, ein kleiner Schei\u00dfemond, der um den Schei\u00dfeplaneten kreist. Beim Neo-Liberalismus ist es, wenn man die H\u00e4ute der Worth\u00fclsenzwiebel beiseite pellt, der Kernkern: radikaler Opportunismus.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Was zeichnet radikalen Opportunismus aus? Er agiert nach einer Maxime: Was ist gut f\u00fcr mich. Nichts anderes. Vielleicht sind an dieses Ich andere Existenzen oder Interessengruppen angedockt, diese Verbindungen werden jedoch rein nach dem Nutzen bewertet, sind also im Zweifel austauschbar und inhaltlich beliebig. Interessierten sich die Koch-Brothers f\u00fcr Evangelikale Glaubenskriege oder f\u00fcr den Wert ungeborener Leben? Zweifelten sie wirklich an den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Klimaforscher:innen? (siehe: <a href=\"https:\/\/www.ullstein.de\/werke\/maenner-die-die-welt-verbrennen\/hardcover\/9783550202827\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">M\u00e4nner, die die Welt verbrennen<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt keine Werte, kein Agieren im Sinne eines gr\u00f6\u00dferen Zusammenhangs, oder Wohls, das \u00fcber das eigene hinausgeht. Diese Strategie wirkt in drei Auspr\u00e4gungen. Die erste dient der Machterhaltung, die andere, um eine Position der Macht zu ergattern. Und die Letzte wabert \u00fcbelriechend dazwischen. Sie zeigt sich im Verhalten der Minions in Lobbyverb\u00e4nden, dem boshaften und kalten Ausf\u00fchren der Agenda, trotz besserem Wissens und die notwendige Gegenseite, die politischen Parteien, die ihrerseits ihre Handlungsmacht f\u00fcr die Interessen ihrer Gruppe missbrauchen. Warum? Aus dem gleichen Grund, aus dem sich schon immer Menschen an K\u00f6nige rangewanzt haben. Dabei werden die Sch\u00e4den, die entstehen ins Weltbild integriert, als notwendiges \u00dcbel. Oder sie werden durch die Hoffnung verdr\u00e4ngt, im Moment des Kollapses genug Ressourcen akkumuliert zu haben, dass der Schock der Krise, egal wie gro\u00df, egal wie horrend, entweder absorbiert werden kann oder im besten Fall nicht zu einem durchdringt. Too big too fail.<\/p>\n\n\n\n<p>Und da kommen wir, quelle surprise, zum Neo-Liberalismus. Die Anh\u00e4nger:innen, mit ihre Wirtschaftstheologie, k\u00f6nnen ihre Konzepte vom schlanken Staat etc. gern benutzen, um damit die Schmei\u00dffliegen vom Kadaver des globalen Kapitalismus zu vertreiben. Denn diese Konzepte sind nichts wert. Sie sind auch nur performative Phrase, um das eigene Handeln zu rechtfertigen. Und das ist radikal opportunistisch. Hier ist der Neo-Liberalismus nichts weiter, als die Spielart des Kapitalismus, deren unersch\u00fctterliche Selbst\u00fcberzeugung auf ihren Bruder, die Gl\u00e4ubigkeit, verweist. Es ist eine Religion und wie Religion geht es auch hier nur um die Ordnung von Macht. Dabei ist es wichtig anzumerken, dass Religion nicht per se gleich Glaube ist. Spiritualit\u00e4t kann parallel zur Gesellschaft sein, sie kann pers\u00f6nlich sein, weil sie sich mit dem eigenen Erfahren auseinandersetzt. Religion kann das nicht. Religion braucht nicht einmal den Glauben, was ein durchschnittlicher katholischer Kirchenbesucher in einem kleinen bayrischen Bergdorf jederzeit best\u00e4tigen kann, wenn er denn den Mut dazu hat. Man geht da hin, weil man halt da hingeht. Die Banalit\u00e4t des Glaubens.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Demokratie bot den aufstrebenden Monstern die legislative, marktwirtschaftliche und gesellschaftliche Sicherheit Bildung zu erlangen, Unternehmen aufzubauen, mit Investoren zu wachsen. Bis sie zur Bedrohung wurde. Regulierung. Gesetze. Der ganze nervige Schei\u00df. Entering the stage: Faschismus.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber was ist Faschismus? Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Es gab in der Geschichte unterschiedliche Formen des Faschismus, die sich voneinander in wichtigen Punkten unterschieden. Drei Varianten: der italienische Faschismus unter Mussolini, der eng mit der katholischen Kirche verbandelte Franquismus unter Franco und schlie\u00dflich der vollkommen enthemmte Nationalsozialismus in Deutschland unter Hitler. Was sie eint, Totalitarismus, F\u00fchrerkult, die Gewaltherrschaft einer zum Volk stilisierten Gruppe, deren Wohl von dem Anderen bedroht wird, weshalb es entrechtet, entfernt oder vernichtet werden muss. Vernichtung der gesellschaftlichen Position, wirtschaftlicher Ressourcen und in der radikalsten Auspr\u00e4gung, der Existenz. Was sie noch eint, die finanzielle Unterst\u00fctzung der Reichen und M\u00e4chtigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Faschismus agiert eine Gruppe, die sich gerne als Volk bezeichnet, man k\u00f6nnte sie auch pr\u00e4ziser Arschl\u00f6cher nennen, im radikalen Eigeninteresse, zum Leid der Anderen. Den Akteuren im Faschismus ist durchaus bewusst, welches Leid sie verursachen. Die armen Deutschen die im NS-Regime behauptet haben, dass sie von den Vernichtungslagern nichts wussten, wussten nur zu gut von den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zwangsarbeit_in_der_Zeit_des_Nationalsozialismus\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Zwangsarbeiter:innen<\/a>, die unter widrigsten Umst\u00e4nden im ganzen Land verteilt waren und arbeiten mussten. Viele haben dabei ihr Leben gelassen. Warum machen sie also mit, beim Faschismus. Im Falle des NS-Regimes wird gerne auf die Terrorherrschaft verwiesen, welche die NSDAP errichtet hat. Man musste ja mitmachen. Sicher trifft das auf die ein oder andere Biografie zu. Aber das ist nicht die eigentliche Triebfeder. Die Triebfeder ist Opportunismus und zwar so radikal, dass der eigene Vorteil \u00fcber das Wohl und die Unversehrtheit Anderer gestellt wird. Hier ist also die Parallele zwischen Faschismus und Neo-Liberalismus: radikaler Opportunismus.<\/p>\n\n\n\n<p>Faschismus und Neo-Liberalismus sind beides Systeme, die sich nicht selbst erhalten k\u00f6nnen. Sie sind nicht in der Lage unterschiedliche Bed\u00fcrfnisse aller Akteure soweit zu befriedigen, dass die Gesellschaft stabil bleibt oder mit Ressourcen auf eine Art umzugehen, dass sie fair verteilt daf\u00fcr sorgen, dass Gesellschaften nicht kollabieren. Sie k\u00f6nnen nur ausbeuten, zum Wohl ihrer Machtelite und f\u00fchren deshalb immer zum Kollaps. Faschistische Staaten sind bisher immer kollabiert. Und der Neo-Liberalismus auch, allerdings wurde der immer von den Steuerzahler:innen rausgehauen. Ein Grund weshalb sich die Demokratie ihrer selbst sicher schien. Denn, wer s\u00e4gt schon den Ast ab, auf dem er sitzt?<\/p>\n\n\n\n<p>Auftritt der Tech-Assis, deren Gier jedes Ma\u00df \u00fcberschritten hat und deren Bl\u00f6dheit nur von ihrer Skrupellosigkeit \u00fcbertroffen wird. By the way, alles M\u00e4nner.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht<\/h2>\n\n\n\n<p>Radikaler Opportunismus ist der Entscheidungskompass des verbl\u00f6deten Homo Economicus. Der Ausspruch: Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht, ist in seiner Einfachheit ein gutes Beispiel, die Bl\u00f6dheit der Tech-Bros aufzuzeigen. Das Verfolgen von eigenen Vorteilen dient dem Gemeinwohl, so die Denkweise oder Schutzbehauptung, wenn man so will. Mehr Komplexit\u00e4t ist da nicht. Aber da kein Staat funktionieren kann, in dem die Mehrzahl der Menschen unfrei, arm und ungl\u00fccklich sind, befinden sie sich in einem Wettrennen, gegen den Kollaps den sie selbst verursachen. Weil sie aber eine grobe Ahnung davon haben, dass auf dem Weg dahin ihre Aktionen Reaktionen nach sich ziehen k\u00f6nnen \u2013 ab und an muss dann doch mal einer in den Knast oder geht bankrott \u2013 wollen sie vor allem eines. Keine Rechenschaft ablegen. Keine Verantwortung \u00fcbernehmen. Damit stehen sie in einem seltsamen Verh\u00e4ltnis zum Staat. Sie wollen ihn abschaffen, weil er im Grunde die letzte Instanz ist, die ihnen im Weg steht, gleichzeitig ist der Staat die stabilste Geldquelle. Wer kann die Milliarden f\u00fcr KI-Infrastruktur aufbringen. Wir alle. Steuerzahler. Der Staat. Es ist ein parasit\u00e4res Verh\u00e4ltnis wie es im Buche steht.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese toxischen Pers\u00f6nlichkeiten handeln nach der gleichen Strategie, die sie von Kind auf gelernt haben. Das ist ihr Horizont und er reicht ihnen aus. Sie wollen ihren Horizont nicht erweitern, weil das die eigene Ich-Konstruktion bedroht. Sie wollen nicht verstehen. Sie m\u00fcssen beschr\u00e4nkt sein, um ihre Selbstwahrnehmung als omnipotente Genies zu sch\u00fctzen. Dabei agieren sie nach den Ausbeutungsmustern die sie im Patriarchat gelernt haben. Denn das Verh\u00e4ltnis zwischen Mann und Frau, wie es im Patriarchat praktiziert wird, ist \u00e4hnlich parasit\u00e4r. Die Erfolge werden personalisiert, sie werden dem Mann zugeschrieben, dem Helden, dem Alpha der Gruppe \u2013 dem F\u00fchrer, w\u00e4hrend die ganzen Sch\u00e4den, die Verschwendung, die Kosten der Pyrrhussiege, durch Ausbeutung und Entwertung von Sozialer- und Care-Arbeit versteckt werden und jeder Lebensentwurf, der dem Modell nicht entspricht ausgegrenzt wird, zum Anderen deklariert wird, das das Wohl der \u2013 traditionellen Familie wird hier oft als Schlagwort benutzt \u2013 gef\u00e4hrdet. Nichts neues, alles die gleichen Muster. Diese Tech-Bros sind nicht innovativ oder schlau. Sie sind auch nicht kreativ oder genial. Sie sind lediglich m\u00e4chtig und das wollen sie aufrecht erhalten. Koste es was es wolle.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Radikaler Opportunismus Auch wenn die Antwort recht naheliegend ist, stellt sich doch oft die Frage, warum Neo-Liberalismus und Faschismus so \u00fcberraschend gut zusammen geht. Dabei tragen sie einen gemeinsamen Kern mit sich herum. Beim Faschismus ist es ein Nebenkern, ein kleiner Schei\u00dfemond, der um den Schei\u00dfeplaneten kreist. 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