Jetzt müssen wir stark sein, in diesem Text wird es um Fakten gehen. Ist klar, schwieriges Thema. Dazu auch noch wissenschaftlich, muss sein, da müssen wir durch, zur Einordnung der Unordnung. Basiswissen sozusagen. Schaffen wir, sind ja nicht allein auf diesem wilden Ozean des Jetzt.
Falls sich noch jemand unsicher ist was jetzt Wissen ist und ob Fakten, die das Wissen stützen nicht doch nur Meinung sind, etc. pp. Klimaleugnung, Impfskepsis, Homöopathie – hexhex.
Wissen unterscheidet sich von Meinung durch einen zwingenden (und prüfbaren) Bezug zur Realität. Gut, Realität ist auch so ein Thema … I know. Aber lassen wir mal die ganze Erkenntnistheorie, Konstruktivismus und den Watzlawick im Regal. Der Realitätsbegriff, der uns erstmal reicht ist der: Wenn ich einen Stein fallen lasse, dann fällt er erstmal durch die Luft bevor er zur Erde zurückkehrt. Das kann man berechnen, dazu gibt es eine Formel – old school physics shit:
y(t) = h₀ – ½ · g · t²
g = 9,81 m/s²
So, Realität, geklärt.
Jetzt wirds ernst, der Penis, was ist das und warum? Ist ja schon eine interessante Frage, was macht der so und wo kommt er her und wie zum Teufel macht er Männer einfach so krass anders. Was ist da drin im Pimmel? Vielleicht ist es hilfreich einen Schritt weiter zurück zu gehen. Zurück zu Mama, in den Bauch. Wie entsteht dieses Weichteil, das so stark ist, dass es die Welt regiert. Also bis zur 7. Schwangerschaftswoche ist da erstmal gar nichts schniedliges. Ab der 4. Woche entsteht zwar der Genitalhöcker, der ist allerdings bipotent. Und das heißt nicht megapotent, sondern für XX und XY identisch. Embryos in der Phase unterscheiden sich nicht voneinander. We are all one, sexless so to say. Aber dann gehts los. Differenzierung ist angesagt. Aus dem Genitalhöcker wird Penis oder Klitoris. Was entscheidet jetzt was gebaut wird? Wer denkt Gott oder Andrew Tate liegt falsch. Wer das Y-Chromosom verdächtigt liegt fast richtig, aber nur fast. Hier hilft ein kurzer Y-Chromosom Exkurs. Das berühmte Y-Chromosom, Bauteil des starken Geschlechts, der heilige Grahl traditioneller Ordnung.
Populärwissenschaftler aus dem Bereich der stumpfen Komik, glauben, dass auf dem Y-Chromosom nur zwei Sachen stehen, wie lang wird der Prengel und wann wendet man das Fleisch auf dem Grill. Hahaha, der ist gut. Da hab ich noch einen, warum sind Frauen so schlecht im einparken? Weil ihnen gesagt wird, dass zehn Zentimeter eigentlich dreißig sind. Das sogenannte Pimmel-Ausmaß-Paradoxon (nicht googlen, dafür gibt es keine Quelle).
Zurück zum Ypsilon. So falsch ist der Witz nicht, denn auf dem Y-Chromosom steht wirklich nicht so viel drauf. Im Vergleich zum X-Chromosom ist es sogar richtig kümmerlich. Zum Vergleich, auf dem X-Chromosom sammeln sich ungefähr 1.100 Gene, das sind 155 Millionen Basenpaare. Die Gene enthalten Infos zur Blutgerinnung (Hämophilie), Farbsehen, Muskelentwicklung, Immunfunktion, kognitive Funktionen und so weiter. Serious building blocks. Das Y-Chromosom hingegen enthält kümmerliche 55-200 Gene, ungefähr. Das sind etwa 59 Millionen Basenpaare. Und was ist die Info darauf? Nicht viel. Um ehrlich zu sein ist das Y-Chromosom im Prinzip ein verkümmertes X-Chromosom. Wenn man so will ist die Kombination XY, also die Krönung der Schöpfung (vergl. Bibel, altes Testament, siehe Genesis), der weltweit am häufigsten auftauchende Gen-Defekt. Aber das wäre polemisch und das wollen wir ja nicht sein. Zudem taugt die Bibel nicht als Quelle. Literatur ist halt kein Sachbuch. Höchstens eins der Gefühle, aber die Diskrepanz haben wir ja bereits geklärt.
Also, was macht das kleine Y? Das Y sagt in der oben genannten Phase nach der 8. Woche: „Jetzt, Pimmel.“ Dafür ist das SRY-Gen zuständig. Wenn man die Funktion dieses Gens genauer betrachtet, dann sagt es das nicht einmal. Denn das SRY-Gen macht das „männliche Y-Chromosom“ eher zu einem Schalter. Der Schalter sagt: Mach mal nicht Klitoris. Ergo, es werde Pimmel.
Y ist also kein “männliches Chromosom”, sondern nur ein Schalter – ohne SRY-Gen entwickelt sich standardmäßig weiblich, selbst mit Y-Chromosom. Tief Luft holen – weiblich ist die Standardkonfiguration, männlich die Abweichung. Das ist aber nicht alles, denn das von sich aus schon degenerierte Y-Chromosom kann auch mal ein kaputtes SRY-Gen haben oder gar keins. Und was passiert dann? Dann passiert Vagina, trotz Y-Chromosoms. Aber Psst, nicht der CDU/CSU oder der AfD sagen, sonst bekommen die Ausschlag.
Zurück zur siebten Woche. Zum Genitalhügel und das ist nicht der an dem die erste große Schlacht im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg am 17. Juni 1775 stattfand, das war Bunker Hill. Neben dem Genitalhügel, der sich ab der 4. Woche herausbildet, aus dem später entweder Penis oder Klitoris wird, gibt es noch die Urogenitalfalten, die aus den Kloacalfalten entstehen, deren Entwicklung ebenfalls in der 4. Woche beginnt. In der 7. Woche teilt sich nämlich das Kloacalmembran in urogenitale und anale Membran. Wie gesagt, Differenzierung (bis dahin sind wir noch wie Enten, full on Kloake. Danach, not so much. Vorder- und Hintertür it is.). Aber was ist das für eine Differenzierung?
Aus dem Genitalhügel entwickelt sich also dank SRY-Gen der Penis ansonsten wird daraus die Klitoris. Die Urogenitalfalten werden zur Harnröhrenunterseite oder zu den inneren Labien. Die Labio-skrotalen Wülste (entstehen ebenfalls ab der 4. Woche) werden zum Scrotum oder zu den äußeren Labien. Ab Woche 8 bis 9 kickt dann Testosteron und DHT (Dihydrotestosteron) rein. Und dann: beginnt der Embryo zu leuchten, spielt Fußball, fängt an aufs erste Auto zu sparen und rülpst der Mama in die Nabelschnur – oder so ähnlich.
Aber was ist der Penis, wenn er das Licht der Welt erblickt, neben Ikone fragwürdiger Rechtfertigungen und Sinnbild menschlicher Hybris. Er ist zum größten Teil Schwellkörper (ca. 40%). Nicht zu verwechseln mit dem männlichen Ego, das zwar ebenfalls eine Art Schwellkörper ist, aber das ist eher psychologisch und nicht physiologisch bedingt. Dann ist da noch Bindegewebe (Kollagenfasern, Elastin) und Nerven, viele, viele Nerven. Vor allem im Glans Penis (Meissner-Körperchen, freie Nervenendigungen). Das ist die Eichel. Aus den gleichen Zellen wird im Falle XX-Chromosom, oder XY-Chromosom mit defektem oder fehlendem SRY-Gen die Glans clitoridis, die Klitoriseichel. Das Scrotum, dieser hochästhetische Kladderadatsch, besteht aus etwas Fett und Bindegewebe. Dazu kommt der Musculus cremaster und noch eine Muskelschicht die der Thermoregulation dient. Boring. Die Hoden, diese kleinen listigen Nuggets dominanz-affiner Würstchen, entstehen derweil um der 7. Woche aus der bipotenten Gonade. Die will eigentlich Eierstöcke werden, das unterstell ich ihr einfach mal, wird aber, da ist es wieder, vom SRY-Gen daran gehindert.
Was passiert mit dem restlichen Gewebe, das bei XX Uterus und Eierstöcke ausbildet? Das Anti-Müller-Hormons (AMH) bildet die Müller-Gänge zurück (hence the name). Das einzige Überbleibsel ist die Prostata-Utriculus auch „Vagina masculina“ genannt.
Männer haben also auch eine Vagina!
Jipee, ganz klein versteckt sie sich, tief drin. Ein kleines Säckchen in der Prostata. Eine Sackgasse also. Wie dieser Text? Es kann aber passieren, dass die Androgen-Rezeptoren kaputt sind, beim sogenannten Androgen-Insensitivität-Syndrom. Dadurch entwickeln sich Müller-Gänge (Sorry, die heißen so) trotz Y-Chromosom. Et voila, es entsteht eine kurze Vagina (aus Urogenitalsinus) aber keine vollständige, da die Müller-Gänge vom AMH zerstört werden und auch keine Eierstöcke oder Uterus (weil die Hoden durch SRY trotzdem entstehen). Und das alles trotz good old XY-Kombi.
Es ist ganz faszinierend was da passiert. Die Androgen-Rezeptoren sind Proteine in den Zellen, die auf Testosteron/DHT reagieren. Wenn im Hoden Testosteron produziert wird bindet sich das an die Androgen-Rezeptorn, die werden aktiviert, Gene werden angeschaltet und der Penisbau beginnt. Wenn jetzt aber die Androgen-Rezeptoren nicht funktionieren, dann kann das Testosteron da andocken wie es will. Der Schalter klemmt. Dann passiert was ähnliches wie in Hamburg mit dem Elbtower, der Phallusbau findet ein jähes Ende. Während man in Hamburg die verendete Schöpfungskraft gut besichtigen kann, macht der Körper was anderes. Der hat nämlich noch einen Plan, den hatte er eh, bevor das SRY-Gen rumgepfuscht hat. Der heißt, let’s go default. Und das ist die Vagina. Natürlich ist das alles viel komplizierter, aber für uns reicht die dumbed down Version für Testosteron-induzierte Umbaumaßnahmen (aka. Männer). Personen die AIS haben können unterschiedlichste Erfahrungen machen, da die Ausgestaltung der äußeren Genitalien von Fall zu Fall variiert.
So, was bleibt also von der kulturell hochgejazzten Geschlechtermystik? Sag es mir. Wenn man mal die Fakten ganz plakativ zusammenfasst kann man sagen. Gott schuf die Frau und baute in ihr einen Schalter ein, der lediglich ein degeneriertes X-Chromosom ist, (das ist die Rippe Boys) und wenn jemand auf den Schalter kommt, dann stülpt sich die Vagina raus und es pimmelt, so to say – streng wissenschaftlich.
Und zum Schluss, als Betthupferl, noch ein Gedanke. Was auf dem Y-Chromosom definitv nicht steht, sind irgendwelche Eigenschaften, Fähigkeiten oder Privilegien. Die sind alles gesellschaftliche Konstrukte, (wie dein Männlichkeitsbild). Die entstehen wo ganz wo anders und das hat nichts mit dem Gezumpel zu tun, das da zwischen den Beinen hängt.
Nichts ist natürlich was über die Körperfunktion hinausgeht. Wir können das alles ändern. Und wir müssen das ändern. Es ist unsere Aufgabe.
Quellen:
- https://de.wikipedia.org/wiki/Penis
- https://de.wikipedia.org/wiki/Hodensack
- https://en.wikipedia.org/wiki/Penis (detaillierter)
- https://en.wikipedia.org/wiki/Scrotum
- https://de.wikipedia.org/wiki/Geschlechtsdetermination
- https://de.wikipedia.org/wiki/Sexuelle_Differenzierung_des_Menschen
- https://en.wikipedia.org/wiki/Development_of_the_reproductive_system
- https://de.wikipedia.org/wiki/X-Chromosom
- https://de.wikipedia.org/wiki/Y-Chromosom
- https://de.wikipedia.org/wiki/SRY-Gen
- https://en.wikipedia.org/wiki/X_chromosome
- https://en.wikipedia.org/wiki/Y_chromosome
