The Lovechild of Boshaftigkeit – Teil 1

The Lovechild of Boshaftigkeit – Teil 1

The Lovechild of Boshaftigkeit – Teil 1

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5–8 Minuten

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Radikaler Opportunismus

Was zeichnet radikalen Opportunismus aus? Er agiert nach einer Maxime: Was ist gut für mich. Nichts anderes. Vielleicht sind an dieses Ich andere Existenzen oder Interessengruppen angedockt, diese Verbindungen werden jedoch rein nach dem Nutzen bewertet, sind also im Zweifel austauschbar und inhaltlich beliebig. Interessierten sich die Koch-Brothers für Evangelikale Glaubenskriege oder für den Wert ungeborener Leben? Zweifelten sie wirklich an den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Klimaforscher:innen? (siehe: Männer, die die Welt verbrennen)

Es gibt keine Werte, kein Agieren im Sinne eines größeren Zusammenhangs, oder Wohls, das über das eigene hinausgeht. Diese Strategie wirkt in drei Ausprägungen. Die erste dient der Machterhaltung, die andere, um eine Position der Macht zu ergattern. Und die Letzte wabert übelriechend dazwischen. Sie zeigt sich im Verhalten der Minions in Lobbyverbänden, dem boshaften und kalten Ausführen der Agenda, trotz besserem Wissens und die notwendige Gegenseite, die politischen Parteien, die ihrerseits ihre Handlungsmacht für die Interessen ihrer Gruppe missbrauchen. Warum? Aus dem gleichen Grund, aus dem sich schon immer Menschen an Könige rangewanzt haben. Dabei werden die Schäden, die entstehen ins Weltbild integriert, als notwendiges Übel. Oder sie werden durch die Hoffnung verdrängt, im Moment des Kollapses genug Ressourcen akkumuliert zu haben, dass der Schock der Krise, egal wie groß, egal wie horrend, entweder absorbiert werden kann oder im besten Fall nicht zu einem durchdringt. Too big too fail.

Und da kommen wir, quelle surprise, zum Neo-Liberalismus. Die Anhänger:innen, mit ihre Wirtschaftstheologie, können ihre Konzepte vom schlanken Staat etc. gern benutzen, um damit die Schmeißfliegen vom Kadaver des globalen Kapitalismus zu vertreiben. Denn diese Konzepte sind nichts wert. Sie sind auch nur performative Phrase, um das eigene Handeln zu rechtfertigen. Und das ist radikal opportunistisch. Hier ist der Neo-Liberalismus nichts weiter, als die Spielart des Kapitalismus, deren unerschütterliche Selbstüberzeugung auf ihren Bruder, die Gläubigkeit, verweist. Es ist eine Religion und wie Religion geht es auch hier nur um die Ordnung von Macht. Dabei ist es wichtig anzumerken, dass Religion nicht per se gleich Glaube ist. Spiritualität kann parallel zur Gesellschaft sein, sie kann persönlich sein, weil sie sich mit dem eigenen Erfahren auseinandersetzt. Religion kann das nicht. Religion braucht nicht einmal den Glauben, was ein durchschnittlicher katholischer Kirchenbesucher in einem kleinen bayrischen Bergdorf jederzeit bestätigen kann, wenn er denn den Mut dazu hat. Man geht da hin, weil man halt da hingeht. Die Banalität des Glaubens.

Die Demokratie bot den aufstrebenden Monstern die legislative, marktwirtschaftliche und gesellschaftliche Sicherheit Bildung zu erlangen, Unternehmen aufzubauen, mit Investoren zu wachsen. Bis sie zur Bedrohung wurde. Regulierung. Gesetze. Der ganze nervige Scheiß. Entering the stage: Faschismus.

Aber was ist Faschismus? Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Es gab in der Geschichte unterschiedliche Formen des Faschismus, die sich voneinander in wichtigen Punkten unterschieden. Drei Varianten: der italienische Faschismus unter Mussolini, der eng mit der katholischen Kirche verbandelte Franquismus unter Franco und schließlich der vollkommen enthemmte Nationalsozialismus in Deutschland unter Hitler. Was sie eint, Totalitarismus, Führerkult, die Gewaltherrschaft einer zum Volk stilisierten Gruppe, deren Wohl von dem Anderen bedroht wird, weshalb es entrechtet, entfernt oder vernichtet werden muss. Vernichtung der gesellschaftlichen Position, wirtschaftlicher Ressourcen und in der radikalsten Ausprägung, der Existenz. Was sie noch eint, die finanzielle Unterstützung der Reichen und Mächtigen.

Im Faschismus agiert eine Gruppe, die sich gerne als Volk bezeichnet, man könnte sie auch präziser Arschlöcher nennen, im radikalen Eigeninteresse, zum Leid der Anderen. Den Akteuren im Faschismus ist durchaus bewusst, welches Leid sie verursachen. Die armen Deutschen die im NS-Regime behauptet haben, dass sie von den Vernichtungslagern nichts wussten, wussten nur zu gut von den Zwangsarbeiter:innen, die unter widrigsten Umständen im ganzen Land verteilt waren und arbeiten mussten. Viele haben dabei ihr Leben gelassen. Warum machen sie also mit, beim Faschismus. Im Falle des NS-Regimes wird gerne auf die Terrorherrschaft verwiesen, welche die NSDAP errichtet hat. Man musste ja mitmachen. Sicher trifft das auf die ein oder andere Biografie zu. Aber das ist nicht die eigentliche Triebfeder. Die Triebfeder ist Opportunismus und zwar so radikal, dass der eigene Vorteil über das Wohl und die Unversehrtheit Anderer gestellt wird. Hier ist also die Parallele zwischen Faschismus und Neo-Liberalismus: radikaler Opportunismus.

Faschismus und Neo-Liberalismus sind beides Systeme, die sich nicht selbst erhalten können. Sie sind nicht in der Lage unterschiedliche Bedürfnisse aller Akteure soweit zu befriedigen, dass die Gesellschaft stabil bleibt oder mit Ressourcen auf eine Art umzugehen, dass sie fair verteilt dafür sorgen, dass Gesellschaften nicht kollabieren. Sie können nur ausbeuten, zum Wohl ihrer Machtelite und führen deshalb immer zum Kollaps. Faschistische Staaten sind bisher immer kollabiert. Und der Neo-Liberalismus auch, allerdings wurde der immer von den Steuerzahler:innen rausgehauen. Ein Grund weshalb sich die Demokratie ihrer selbst sicher schien. Denn, wer sägt schon den Ast ab, auf dem er sitzt?

Auftritt der Tech-Assis, deren Gier jedes Maß überschritten hat und deren Blödheit nur von ihrer Skrupellosigkeit übertroffen wird. By the way, alles Männer.

Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht

Radikaler Opportunismus ist der Entscheidungskompass des verblödeten Homo Economicus. Der Ausspruch: Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht, ist in seiner Einfachheit ein gutes Beispiel, die Blödheit der Tech-Bros aufzuzeigen. Das Verfolgen von eigenen Vorteilen dient dem Gemeinwohl, so die Denkweise oder Schutzbehauptung, wenn man so will. Mehr Komplexität ist da nicht. Aber da kein Staat funktionieren kann, in dem die Mehrzahl der Menschen unfrei, arm und unglücklich sind, befinden sie sich in einem Wettrennen, gegen den Kollaps den sie selbst verursachen. Weil sie aber eine grobe Ahnung davon haben, dass auf dem Weg dahin ihre Aktionen Reaktionen nach sich ziehen können – ab und an muss dann doch mal einer in den Knast oder geht bankrott – wollen sie vor allem eines. Keine Rechenschaft ablegen. Keine Verantwortung übernehmen. Damit stehen sie in einem seltsamen Verhältnis zum Staat. Sie wollen ihn abschaffen, weil er im Grunde die letzte Instanz ist, die ihnen im Weg steht, gleichzeitig ist der Staat die stabilste Geldquelle. Wer kann die Milliarden für KI-Infrastruktur aufbringen. Wir alle. Steuerzahler. Der Staat. Es ist ein parasitäres Verhältnis wie es im Buche steht.

Diese toxischen Persönlichkeiten handeln nach der gleichen Strategie, die sie von Kind auf gelernt haben. Das ist ihr Horizont und er reicht ihnen aus. Sie wollen ihren Horizont nicht erweitern, weil das die eigene Ich-Konstruktion bedroht. Sie wollen nicht verstehen. Sie müssen beschränkt sein, um ihre Selbstwahrnehmung als omnipotente Genies zu schützen. Dabei agieren sie nach den Ausbeutungsmustern die sie im Patriarchat gelernt haben. Denn das Verhältnis zwischen Mann und Frau, wie es im Patriarchat praktiziert wird, ist ähnlich parasitär. Die Erfolge werden personalisiert, sie werden dem Mann zugeschrieben, dem Helden, dem Alpha der Gruppe – dem Führer, während die ganzen Schäden, die Verschwendung, die Kosten der Pyrrhussiege, durch Ausbeutung und Entwertung von Sozialer- und Care-Arbeit versteckt werden und jeder Lebensentwurf, der dem Modell nicht entspricht ausgegrenzt wird, zum Anderen deklariert wird, das das Wohl der – traditionellen Familie wird hier oft als Schlagwort benutzt – gefährdet. Nichts neues, alles die gleichen Muster. Diese Tech-Bros sind nicht innovativ oder schlau. Sie sind auch nicht kreativ oder genial. Sie sind lediglich mächtig und das wollen sie aufrecht erhalten. Koste es was es wolle.

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